Diese Checkliste in Ihrem persönlichen Plan verfolgen.

Nuklearer / radiologischer Notfall
Rein, drin bleiben, informieren — zuerst schützen; Jod nur auf behördliche Anweisung.
Lokal genauer nachsehen
Ob Ihre Straße betroffen ist, beantworten nur die amtlichen Karten für Ihren Ort.
Seveso-/Industrieanlagen und Kernkraftwerke in der Nähe und Sirenenbedeutung kennen.
Amtliche Karten
Cell Broadcast am Handy aktivieren, damit Warnungen ohne App ankommen.
Ein nuklearer oder radiologischer Notfall kann die Freisetzung radioaktiven Materials aus einem Kraftwerk, bei einem Transportunfall oder durch eine Waffe bedeuten. Strahlung sieht und riecht man nicht. Für die Bevölkerung gelten in Europa fast überall dieselben einfachen Schutzmaßnahmen: ins Gebäude gehen, drinnen bleiben, Fenster und Lüftung schließen und offizielle Anweisungen über Radio, Fernsehen und Warn-Apps befolgen. Jodtabletten schützen die Schilddrüse nur vor radioaktivem Jod — und nur zum richtigen Zeitpunkt. Falsche Selbstmedikation kann schaden. In Deutschland werden Jodtabletten nicht vorab an Haushalte verteilt, sondern im Ernstfall von den Behörden ausgegeben – schlucken Sie sie nur, wenn die Behörden dazu auffordern. In lebensbedrohlichen Lagen rufen Sie die 112.
Wenn es passiert
Nur wenn dieses Szenario droht oder bereits läuft — nicht die alltägliche Vorsorge. Zur Vorbereitung im Voraus siehe „So bereiten Sie sich vor“ und die Checkliste weiter unten.
Wenn Behörden vor einer Freisetzung warnen
- 1Gehen Sie sofort ins Gebäude — feste Gebäude schützen besser als Autos oder Zelte.
- 2Schließen Sie alle Fenster, Türen und Außenlüftungen; schalten Sie Klimaanlagen und Lüftungen ab, die Außenluft ansaugen.
- 3Bleiben Sie möglichst in einem Innenraum, fern von Außenwänden und Dach.
- 4Schalten Sie Radio, Fernsehen oder die offizielle Warn-App ein und hören Sie Anweisungen.
- 5Holen Sie Kinder nicht aus der Schule ab, es sei denn Behörden sagen es — Schulen schützen ebenfalls.
- 6Wählen Sie die 112 nur bei Verletzten oder unmittelbarer Gefahr; halten Sie Leitungen frei.
Wenn Sie während einer Freisetzung draußen waren
- 1Ziehen Sie Oberbekleidung vorsichtig aus, bevor oder sobald Sie eintreten; verpacken Sie sie und halten Sie Abstand.
- 2Duschen Sie lauwarm mit milder Seife; nicht stark schrubben. Haare mit Shampoo waschen, aber keine Spülung (Conditioner) verwenden — sie kann Partikel im Haar binden.
- 3Putzen Sie sich die Nase und spülen Sie, wenn möglich, Augen und Mund mit sauberem Wasser.
- 4Wechseln Sie in saubere, drinnen gelagerte Kleidung.
- 5Suchen Sie ärztlichen Rat, wie die Behörden es anweisen — gehen Sie nicht unnötig in Kliniken, es sei denn, Sie sind verletzt.
Zu Jodtabletten
- 1Nehmen Sie Kaliumiodid (Jodtabletten) NUR, wenn Behörden Dosis und Zeitpunkt nennen.
- 2Nehmen Sie sie nicht „auf Verdacht“, nicht als Nahrungsergänzung und nicht bei anderen Gefahren ein.
- 3Sie schützen nur die Schilddrüse vor radioaktivem Jod — nicht vor anderer Strahlung oder Fallout-Partikeln.
- 4Beachten Sie Alters- und Schwangerschaftshinweise auf Beipackzettel und behördliche Anweisungen.
Wichtige Sicherheitshinweise
- Nehmen Sie Jodtabletten nie auf eigene Faust — falscher Zeitpunkt oder falsche Dosis kann schaden, besonders bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen.
- Gehen Sie nicht hinaus, um „nachzusehen“ oder zu filmen — ein späteres Verlassen wird schwieriger, sobald die Umgebung kontaminiert ist.
- Evakuieren Sie nur auf behördliche Anordnung — Verkehr und Freiluft können die Belastung erhöhen.
- Holen Sie Haustiere ins Haus und wischen Sie Pfoten und Fell vorsichtig ab, wenn sie draußen waren.
So bereiten Sie sich vor
Warnungen und Gebäude kennen
- 1Installieren Sie die offizielle Warn-App NINA und aktivieren Sie Cell Broadcast (in Deutschland „DE-Alert“).
- 2Wissen Sie, wie Sie Fenster schließen und Lüftung und Klimaanlage schnell abschalten.
- 3Wählen Sie einen Innenraum und halten Sie dort Batterieradio, Taschenlampe und Wasser bereit.
- 4Deutschland hat seit April 2023 kein laufendes Kernkraftwerk mehr; relevant sind grenznahe Anlagen in Nachbarländern (z. B. Cattenom, Tihange/Doel, Temelín, die Schweizer Werke). Wenn Sie im Umkreis von etwa 100 km einer solchen Anlage wohnen, machen Sie sich mit dem Notfallplan Ihres Bundeslandes und der dortigen Ausgabe von Jodtabletten vertraut.
Haushaltsvorrat zum Schutzraum
- 1Halten Sie Trinkwasser, haltbare Nahrung und Dauermedikamente für mindestens 72 Stunden im Haus vor.
- 2Dazu gehören ein Batterie- oder Kurbelradio, eine Taschenlampe, Ersatzbatterien und eine Powerbank.
- 3Klebeband und Folie brauchen Sie nur, wenn offizielle Hinweise für Ihre Region das Abdichten von Spalten empfehlen.
- 4Legen Sie Dokumentenkopien und eine schriftliche Liste Ihrer Medikamente und Kontakte dazu.
Gut zu wissen
- Die 112 ist in Deutschland und EU-weit kostenlos, funktioniert ohne Guthaben und über jedes verfügbare Netz. Ohne SIM-Karte ist in Deutschland kein Notruf möglich – die Karte muss eingelegt sein.
- Baumaterial und Abstand zu Außenwänden mindern äußere Strahlung; Zeit drinnen zählt.
- EU-Staaten koordinieren nukleare Notfälle über nationale Aufsicht und den EU-Katastrophenschutz.
- Nach einer Freisetzung gelten behördliche Hinweise zu Lebensmitteln und Wasser vor dem Alltagseinkauf.
Checkliste zur Vorsorge
Die konkreten Schritte für dieses Szenario. Fügen Sie sie einem Plan hinzu, um Ihren Fortschritt zu verfolgen.
Maßnahmen
- Warn-App + Cell Broadcast (DE-Alert) aktivierenUnverzichtbar
Die Aufforderung, bei einem radiologischen Ereignis ins Gebäude zu gehen, kann als Handywarnung kommen. Prüfen Sie jetzt, ob Cell Broadcast aktiviert ist: bei iOS ganz unten unter Einstellungen > Mitteilungen, bei Android unter „Sicherheit und Notfälle“. Ergänzen Sie eine offizielle Warn-App als zweiten Kanal — in Deutschland NINA oder KATWARN — und verlassen Sie sich nie auf nur einen Kanal.
- Innenraum als Schutzraum festlegenUnverzichtbar
Legen Sie den Raum vorab fest und zeigen Sie ihn allen im Haushalt: ein Innenraum, Keller oder eine Stelle in der Gebäudemitte, mit möglichst vielen Wänden und Decken zwischen Ihnen und draußen — jede Schicht Baumasse mindert die äußere Strahlung. Meiden Sie Räume mit großen Fenstern; Mauerwerk schirmt besser ab als Leichtbauwände.
- Absprechen, wie die Familie sich beim Schutz im Gebäude erreicht
Eine Freisetzung kann Haushaltsmitglieder bei der Arbeit oder in der Schule treffen — dann gilt: Schutz dort suchen, wo man ist, nicht durch die radioaktive Wolke nach Hause fahren. Vereinbaren Sie vorab, dass alle bleiben, wo sie sind, per SMS statt Anruf die überlasteten Netze schonen und sich bei einem Kontakt außerhalb der Region melden; notieren Sie diese Nummern auch auf Papier.
Vorräte
- 72 Std. Wasser und Nahrung fürs DrinnenbleibenUnverzichtbar
Rechnen Sie mit rund 2 Litern Wasser pro Person und Tag — 6 Liter pro Kopf für die 72-Stunden-Basis der EU — dazu Lebensmittel ohne Kochbedarf wie Konserven, Knäckebrot und H-Milch sowie einen manuellen Dosenöffner. Originalverschlossenes Flaschenwasser ist am sichersten, da Leitungswasser nach einer Freisetzung eingeschränkt sein kann; amtliche deutsche Empfehlungen nennen idealerweise zehn Tage.
- Batterie- oder KurbelradioUnverzichtbar
Während Sie im Gebäude Schutz suchen, kommen Entwarnung und etwaige Jod-Anweisungen über den Rundfunk — auch wenn Mobilfunknetze überlastet oder ausgefallen sind. Wählen Sie ein Gerät mit UKW- und DAB+-Empfang, batteriebetrieben, möglichst mit Kurbel oder Solar als Reserve, und lagern Sie Ersatzbatterien außerhalb des Geräts, damit auslaufende Zellen es nicht beschädigen.
Wissen & prüfen
- Fenster und Lüftung schnell schließen könnenUnverzichtbar
Der Schutz im Gebäude wirkt nur, solange Außenluft draußen bleibt — radioaktive Partikel gelangen mit der angesaugten Luft der Lüftung hinein. Suchen Sie jetzt die Schalter für Lüftungsanlage und Klimaanlage und merken Sie sich, welche Fenster, Lüftungsschlitze und Dunstabzugshauben zu schließen sind — unter Stress bleibt keine Zeit zum Suchen.
- Jodregeln kennen — nur auf Anordnung einnehmenUnverzichtbar
Hochdosierte Kaliumiodid-Tabletten schützen nur die Schilddrüse und nur bei richtigem Zeitpunkt — nehmen Sie sie ausschließlich auf behördliche Anordnung ein. In Deutschland geben die Behörden die Tabletten im Ernstfall aus, nicht vorab: an Erwachsene bis 45 Jahre im Umkreis von etwa 100 km um eine Anlage, an Kinder, Jugendliche und Schwangere bundesweit. Ab etwa 45 Jahren wird von der Einnahme abgeraten.
- Dokumentenkopien und Medikamentenliste
Wird nach der Schutzphase eine Evakuierung angeordnet, müssen Sie schnell los — halten Sie deshalb Kopien von Ausweisen, Versicherungspolicen und wichtigen Urkunden in einer griffbereiten Mappe, dazu eine schriftliche Liste aller Medikamente und Dosierungen im Haushalt. Bewahren Sie Duplikate außerhalb der Wohnung auf sowie verschlüsselte digitale Kopien auf einem USB-Stick oder in der Cloud.
Offizielle Quellen
- BBK — Strahlenschutz / nukleare Unfälle · BBK (Deutschland)
- Jodblockade – Fragen und Antworten · Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)
- IAEO — Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung · IAEO (IAEA)
- EU-Katastrophenschutz · Europäische Kommission
Inhalt zuletzt geprüft: 4. September 2026