Diese Checkliste in Ihrem persönlichen Plan verfolgen.

Chemie- / Industrieunfall
Schutz im Gebäude: Fenster zu, Lüftung aus, bei schweren Gasen nach oben — nur auf Anweisung raus.
Lokal genauer nachsehen
Ob Ihre Straße betroffen ist, beantworten nur die amtlichen Karten für Ihren Ort.
Seveso-/Industrieanlagen und Kernkraftwerke in der Nähe und Sirenenbedeutung kennen.
Cell Broadcast am Handy aktivieren, damit Warnungen ohne App ankommen.
Chemie- oder Industrieunfälle (Seveso-Anlagen, Transportunfälle, Lagerbrände) können giftigen Rauch oder Gas freisetzen. Sie riechen etwas Ungewöhnliches, sehen eine farbige Wolke oder hören Sirenen und Warnungen. Der Standardschutz ist meist: ins Gebäude gehen, alles schließen, was Außenluft hereinlässt, und auf klare Anweisungen warten. Manche Gase sind schwerer als Luft und sammeln sich unten; ein oberes Stockwerk kann helfen. Fahren Sie nie durch eine sichtbare Wolke. In Lebensgefahr rufen Sie die 112 und beschreiben, was Sie sehen und riechen, sofern das gefahrlos möglich ist.
Wenn es passiert
Nur wenn dieses Szenario droht oder bereits läuft — nicht die alltägliche Vorsorge. Zur Vorbereitung im Voraus siehe „So bereiten Sie sich vor“ und die Checkliste weiter unten.
Bei einer Chemikalienfreisetzung in der Nähe
- 1Gehen Sie sofort ins Gebäude — bleiben Sie nicht stehen, um zuzuschauen oder zu filmen.
- 2Schließen Sie alle Fenster, Türen, Kamine und Lüftungsöffnungen; schalten Sie Klimaanlage, Dunstabzug und jede Anlage aus, die Außenluft ansaugt.
- 3Gehen Sie in ein oberes Stockwerk, wenn das Gas als schwer gilt oder Sie eine niedrige Wolke sehen; bei leichterem Rauch folgen Sie den behördlichen Anweisungen.
- 4Dichten Sie offensichtliche Spalten nur dann mit nassen Tüchern oder Klebeband ab, wenn die Hinweise es zulassen und Sie Zeit dafür haben.
- 5Schalten Sie Radio oder Warn-App ein; lüften Sie nicht mit Außenluft.
- 6Rufen Sie die 112, wenn Menschen zusammenbrechen, nicht atmen können oder Sie keinen Schutzraum erreichen.
Draußen oder im Fahrzeug
- 1Entfernen Sie sich quer zum Wind und bergauf von der Austrittsstelle, wenn Sie sie gefahrlos erkennen können.
- 2Fahren Sie nicht durch eine sichtbare Wolke oder Rauchbank.
- 3Sitzen Sie im Auto in einer Wolke fest: Fenster zu, Umluft oder Lüftung ganz aus – keine Außenluft ansaugen –, und verlassen Sie das Gebiet, sobald es sicher ist.
- 4Haben Chemikalien Haut oder Augen berührt, spülen Sie in Sicherheit mindestens 15 Minuten mit sauberem Wasser und holen Sie ärztliche Hilfe; bei Verdacht auf eine Vergiftung berät der Giftnotruf (z. B. 030 19240, andere Zentralen: meist Vorwahl + 19240), in Lebensgefahr rufen Sie die 112.
Nach Entwarnung
- 1Öffnen und lüften Sie erst, wenn die Behörden es freigeben.
- 2Beachten Sie die Hinweise zu Lebensmitteln und Wasser und dazu, ob draußen gelagerte Dinge entsorgt werden müssen.
- 3Suchen Sie bei anhaltenden Augen-, Haut- oder Atemproblemen ärztliche Hilfe.
Wichtige Sicherheitshinweise
- Holen Sie während einer Freisetzung nicht „kurz frische Luft“ von draußen — das hebt den Schutz im Gebäude auf.
- Entzünden Sie keine offenen Flammen und rauchen Sie nicht, wenn brennbares Gas ausgetreten sein könnte.
- Evakuieren Sie nicht in eine Wolke hinein, außer Feuer oder Einsturzgefahr zwingen Sie hinaus.
- Unbekannte Chemikalien nicht kosten, nicht daran riechen und sich nicht mit verunreinigten Händen die Augen reiben.
So bereiten Sie sich vor
Lokales Industrierisiko kennen
- 1Prüfen Sie, ob Ihr Wohn- oder Arbeitsort nahe einem Störfallbetrieb liegt, und kennen Sie die Bedeutung der Sirenensignale.
- 2Installieren Sie die offizielle Warn-App und aktivieren Sie Cell Broadcast.
- 3Üben Sie, die Wohnung in unter zwei Minuten abzuschotten: Fenster, Lüftungsöffnungen, Klimaanlage, Abzüge.
Schutzausstattung
- 1Halten Sie Flaschenwasser, Radio, Taschenlampe und Powerbank bereit.
- 2Nasse Tücher oder Folie und Klebeband zum vorübergehenden Abdichten gehören dazu, falls die örtlichen Hinweise das empfehlen.
- 3Legen Sie Ihre Medikamente und ein einfaches Erste-Hilfe-Set dazu.
Gut zu wissen
- Die 112 ist in Deutschland und EU-weit kostenlos, funktioniert ohne Guthaben und über jedes verfügbare Netz. Ohne SIM-Karte ist in Deutschland kein Notruf möglich – die Karte muss eingelegt sein.
- Störfallbetriebe müssen in Deutschland nach der Störfall-Verordnung (Umsetzung der Seveso-III-Richtlinie) die Öffentlichkeit über Risiken und richtiges Verhalten informieren.
- Giftiger Rauch von Lagerbränden kann weit ziehen — Abstand allein reicht ohne Schutzraum oft nicht.
Checkliste zur Vorsorge
Die konkreten Schritte für dieses Szenario. Fügen Sie sie einem Plan hinzu, um Ihren Fortschritt zu verfolgen.
Maßnahmen
- Warn-App + Sirenenbedeutung kennenUnverzichtbar
Eine Chemikalienfreisetzung wird über mehrere Kanäle zugleich gemeldet – decken Sie daher mehr als einen ab. Installieren Sie die Warn-App NINA, aktivieren Sie Cell Broadcast (in Deutschland „DE-Alert“) in den Handy-Einstellungen und lernen Sie die örtlichen Sirenensignale: In Deutschland bedeutet ein einminütiger auf- und abschwellender Ton Gefahr, ein Dauerton Entwarnung. Nicht überall gibt es noch Sirenen.
- Abschotten der Wohnung in unter 2 Min. übenUnverzichtbar
Schnelles Abschotten macht den Schutz im Gebäude erst wirksam: Eine Giftwolke kann in Minuten eintreffen, zieht aber oft binnen Stunden vorüber. Gehen Sie den Ablauf einmal real durch – alle Fenster und Türen schließen, Lüftung ausschalten, alle in einem Raum versammeln –, stoppen Sie dabei die Zeit und wiederholen Sie die Übung ein- bis zweimal im Jahr.
Vorräte
- Flaschenwasser für den SchutzraumUnverzichtbar
Der Schutz im Gebäude kann Stunden dauern – wer die Tür zum Einkaufen öffnet, hebt ihn auf. Lagern Sie verschlossenes Flaschenwasser im oder nahe am Schutzraum; planen Sie rund 2 Liter pro Person und Tag. Ungeöffnetes Mineralwasser hält kühl und dunkel gelagert weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus; selbst abgefüllte Behälter sollten Sie etwa alle sechs Monate austauschen.
- Batterieradio und TaschenlampeUnverzichtbar
Die Entwarnung nach einer Freisetzung kommt über Radio und amtliche Kanäle, und Mobilfunknetze können überlastet sein. Ein Batterieradio mit UKW- und DAB+-Empfang plus LED-Taschenlampe reicht aus; lagern Sie Ersatzbatterien außerhalb der Geräte, damit auslaufende Zellen sie nicht beschädigen. Ein Kombigerät mit Kurbel oder Solar bietet zusätzliche Reserve.
- Erste-Hilfe und Dauermedikamente
Solange Sie abgeschottet sind, kann niemand Nachschub holen – halten Sie Vorräte griffbereit. Ein Erste-Hilfe-Set im Haushalt, bestückt nach DIN 13157 (sterile Kompressen, Verbandmaterial, Handschuhe), deckt kleinere Verletzungen ab. Ergänzen Sie Ihre Dauermedikamente – die offizielle deutsche Empfehlung nennt einen Vorrat für etwa zehn Tage – und prüfen Sie die Haltbarkeitsdaten jährlich.
Wissen & prüfen
- Klima, Dunstabzug, Lüftung abschalten könnenUnverzichtbar
Auch bei geschlossenen Fenstern ziehen mechanische Anlagen weiter Außenluft ins Haus. Suchen Sie jetzt die Schalter oder Sicherungen für Klimaanlage, Dunstabzug, Badlüfter und eine eventuelle zentrale Lüftung und beschriften Sie sie – so können Sie nach einer Warnung binnen Augenblicken jede Luftzufuhr stoppen.
- Oberes Stockwerk als Schutzoption kennen
Viele Giftgase wie Chlor sind schwerer als Luft und sammeln sich in Straßenhöhe und in Kellern – anders als bei einem Brand ist oben daher oft sicherer. Wählen Sie ein verschließbares Zimmer im oberen Stockwerk als Ausweich-Schutzraum und meiden Sie bei einer Gasfreisetzung den Keller, sofern die Behörden nichts anderes anordnen.
- Seveso-/Industrieanlagen in der Nähe prüfen
Nach der Seveso-III-Richtlinie der EU müssen Anlagen, die mit großen Mengen an Gefahrstoffen umgehen, die Öffentlichkeit über ihre Risiken und Alarmsignale informieren. Prüfen Sie, ob solche Betriebe nahe Ihrem Wohnort oder Arbeitsplatz liegen – nationale und regionale Verzeichnisse führen sie auf – und lesen Sie das Notfall-Merkblatt, das Betriebe der oberen Klasse an Anwohner verteilen.
Offizielle Quellen
- BBK — CBRN / Industrieunfälle · BBK (Deutschland)
- Seveso-III-Richtlinie — Überblick · Europäische Kommission
- WHO — chemische Zwischenfälle · WHO
Inhalt zuletzt geprüft: 4. September 2026